Technology
Berlins Tech-Ökosystem profiliert sich weltweit mit Open-Source-Experimenten für die Smart City
Bürgergetriebene Pilotprojekte und öffentlicher Datenzugang verschaffen der deutschen Hauptstadt einen Vorsprung in der städtischen Technologie, den geschlossene Systeme andernorts nicht bieten können.
Wie wir berichtet haben

Am 9. Juli hat Berlin 1.200 neue Umweltsensoren entlang des Spreeufers zwischen der Oberbaumbrücke und der East Side Gallery in Betrieb genommen. Die Geräte speisen Echtzeit-Luft- und Wasserdaten direkt in eine offene Plattform ein, die jede Bürgerin, jeder Bürger und jedes Start-up kostenlos abfragen kann.
Der Zeitpunkt fällt mit globalen Versorgungsengpässen infolge der Schließung der Straße von Hormus und stark gestiegenen Energiepreisen in Europa zusammen, beides zwingt Städte dazu, Ressourcenverschwendung rasch zu reduzieren, anstatt auf proprietäre Anbieter zu warten. Berlins Ansatz vermeidet bindende Verträge mit einzelnen Anbietern und leitet sämtliche Datensätze stattdessen über das bestehende Open-Data-Portal der Stadt, sodass bei steigenden Energiekosten schnell nachjustiert werden kann.
Stadtteil-Labs als Rückgrat des Projekts
Das CityLAB Berlin ist in einem umgenutzten Postgebäude in der Oranienstraße in Kreuzberg untergebracht. Dort testen Teams kostengünstige Hochwassersensoren, die an die Regenwasserkanäle des Bezirks angebunden sind, und veröffentlichen den Quellcode in öffentlichen GitHub-Repositories. Zwei Häuserblocks weiter, in der Adalbertstraße, bietet dieselbe Gruppe wöchentliche Termine mit lokalen Unternehmen an, um Füllstandsensoren für Mülleimer weiterzuentwickeln, die die Sammelrouten im vergangenen Quartal um 18 Prozent verkürzt haben. In Charlottenburg arbeitet das Fraunhofer-Institut FOKUS an der Kaiserin-Augusta-Allee mit derselben offenen Plattform zusammen und erprobt Ampelalgorithmen, die den Fahrradverkehr auf der Kantstraße in den Stoßzeiten bevorzugen.
Einsatzzahlen belegen die Reichweite
Städtischen Unterlagen vom Juni 2026 zufolge sind bezirksübergreifend in Mitte, Friedrichshain und Treptow derzeit 14.500 aktive IoT-Knoten in Betrieb, gegenüber 9.200 im Dezember 2024. Die jährlichen Wartungskosten von 2,8 Millionen Euro werden aus bestehenden Haushaltsmitteln gedeckt, ohne neue Anleihen aufzunehmen. Eine Prüfung vom März ergab, dass die durchschnittliche Reaktionszeit auf Sensorwarnungen von 112 auf 47 Minuten gesunken ist, ein Rückgang gegenüber dem Stand vor zwei Jahren. All diese Daten stammen aus demselben offenen Portal, das jedes Firmware-Update und jeden ausgegebenen Euro dokumentiert.
Das Daten-Dashboard ist unter berlin.de/smartcity abrufbar; dort können Rohdaten heruntergeladen oder kostenlose Sensor-Kalibrierungsworkshops gebucht werden, die jeden zweiten Donnerstag im Hangar auf dem Tempelhofer Feld stattfinden. Die nächste Veranstaltung beginnt am 16. Juli um 18:00 Uhr; zur Anmeldung genügt eine E-Mail-Adresse.